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Erfolgreiche Nachzucht von Keilkopf-Glattstirnkaimanen

Zootier des Jahres 2021

Foto: Hella Hallmann

Junge Kaimane sind schon kurz nach dem Schlupf wehrhaft. Wiegen und Messen ist nur mit Handschuhen möglich. Foto: Hella Hallmann

Foto: Hella Hallmann

Zoo freut sich 15 Jahre nach der europäischen Erstzucht über erfolgreiche Nachzucht von 16 Keilkopf-Glattstirnkaimanen

Krokodile sind hochbedrohte Nützlinge mit Imageproblem, sie wurden daher von der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) zum „Zootier des Jahres 2021“ ernannt.

16 Mini-Krokodile wachsen derzeit im Zoo Krefeld heran. 2005 gelang hier im Regenwaldhaus mit der Europäischen Erstzucht der Keilkopf-Glattstirnkaimane eine kleine zoologische Sensation. Bis jetzt konnte der Zuchterfolg nicht wiederholt werden. Anfang Juni 2020 veränderte das Kaiman-Weibchen den Bruthügel in der Anlage im Regenwaldhaus und begann ihn zu bewachen. Ein klares Zeichen für die Tierpfleger, dass sie Eier abgelegt hatte. Vom 15. bis zum 20. Oktober 2020 schlüpften dann nach und nach 16 Jungtiere, die anschließend einzeln in kleine Becken hinter den Kulissen gesetzt wurden. Beim Schlupf waren sie 22,5 bis 24 cm lang und wogen um die 60 g. Alle vier Wochen werden die Jungtiere seither gemessen und gewogen. Beim letzten Termin waren sie schon auf 25 bis 29 cm und 80 – 100 g angewachsen. Ein Sorgenkind ist auch dabei, das bisher nur wenige Gramm zugenommen hat. Es wird besonders gepäppelt und hat zur großen Freude der Pfleger am vergangenen Wochenende zwei Babymäuse verzehrt.
Schon kurz nach dem Schlupf sind die Jungtiere mobil und zeigen Zähne, sind also durchaus wehrhaft. In der Natur suchen sie sich trotzdem schnell einen sicheren Platz in der dichten Ufervegetation, da die Eltern sie nicht schützen.

Der dämmerungs- und nachtaktive Keilkopf-Glattstirnkaiman bevorzugt als Lebensraum in den südamerikanischen Tropen kleine Regenwaldbäche und hält sich oft im flachen Uferbereich auf. Die Weibchen bauen ihre Nesthügel gerne angelehnt an einen Termitenstock, womit eine höhere Bebrütungstemperatur erreicht wird. Rund 100 Tage dauert es, bis die „Mini-Drachen“ aus ihren Eiern schlüpfen. Das Geschlecht der Jungtiere wird durch die Temperatur bestimmt, die zu einem bestimmten Zeitpunkt während der Eientwicklung im Bruthügel herrscht. Die beiden erwachsenen Tiere im Regenwaldhaus des Zoo Krefeld stammen aus einer Beschlagnahmung am Flughafen Frankfurt 1995. Zusammen mit einem Dutzend weiterer Tiere waren sie als Jungtiere illegal nach Deutschland geschmuggelt worden. Glücklicherweise entdeckte der Zoll die Tiere und konfiszierte sie. Da in Krefeld gerade das südamerikanische Regenwaldhaus im Bau war, übernahm der Zoo die Tiere. Mit Erreichen der Geschlechtsreife wurden bis auf drei alle Tiere in andere Zoos abgegeben. 2005 kam es dann zur Sensation: Erstmals schlüpften in einem Europäischen Zoo Keilkopf-Glattstirnkaimane und wuchsen auf. Aktuell leben im Zoo Krefeld zwei erwachsene Kaimane.
In Europa lebt die Kaiman-Art nur in rund 20 zoologischen Einrichtungen, in Deutschland sind es nur drei Haltungen. Sie wird nur selten nachgezogen. Zuchterfolge gab es seit 2005 in 2017 in Usti nad Labem (Ungarn) und 2013 in Dortmund. Meist schlüpften nur sechs bis zehn Jungtiere.
Krokodile sind Nützlinge mit einem Imageproblem. Sie teilten sich ihren Lebensraum bereits mit den Dinosauriern. Seit mehr als 200 Millionen Jahren bevölkern die perfekten Jäger nahezu unverändert unseren Planeten - bis der Mensch auftauchte. Heute gibt es noch 25 Krokodil-Arten, die in den tropischen Gewässern aller Kontinente leben. Arten wie das Siam-Krokodil, der Ganges-Gavial oder das Orinoko-Krokodil gelten mittlerweile als stark gefährdet. Insgesamt werden derzeit sechs Arten von der Weltnaturschutzunion IUCN als „von der Ausrottung bedroht“ eingestuft. Daher hat die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) das Krokodil zum „Zootier des Jahres 2021“ gekürt hat. Bei der diesjährigen Kampagne sollen mit den gesammelten Geldern vorrangig drei Projekte unterstützt werden, die sich um den Erhalt der Kuba-, Siam- und Philippinenkrokodile kümmern.
„Krokodile sind keine schwimmenden Handtaschen, sondern haben eine immens wichtige Aufgabe in ihren Ökosystemen. Es ist Zeit zu handeln, denn ohne akute Schutzmaßnahmen werden einige Krokodilarten bald gänzlich von unserem Planeten verschwinden“, sagt Dr. Sven Hammer, 1. stellvertretender Vorsitzender der ZGAP. Die Menschen dringen bis heute immer weiter in die Lebensräume der Krokodile ein und töten sie, weil sie die Tiere als Gefahr für sich und ihre Haustiere ansehen. Ihr Fleisch und die Eier werden verzehrt, die Moschusdrüsen der Krokodile werden zur Parfümherstellung genutzt und, da Krokodile Fische fressen, gelten sie bei Fischern darüber hinaus als Konkurrenten. Zusätzlich dezimiert der Lebensraumverlust, etwa durch den Bau von Dämmen, sowie die zunehmende Wasserverschmutzung die Krokodilbestände. An den Rand der Ausrottung brachte die Krokodile jedoch insbesondere die wachsende Nachfrage nach ihrer Haut, weil die Modeindustrie anfing, daraus Handtaschen, Schuhe, Koffer, Gürtel und andere Waren herzustellen., Da die Bestände vieler kommerziell nutzbarer Krokodilarten stark abnahmen, wurden in den letzten Jahrzehnten Krokodilfarmen angelegt, um das Leder kommerziell zu nutzen. Heute gibt es für bestimmte Arten aber auch Zuchtanlagen, die neben der Nutzung vor allem auch der Arterhaltung und der Aufstockung der Wildbestände dienen.

Zoologische Gärten sind die  treibende Kraft im Artenschutz. Sie halten und züchten gefährdete Tierarten und eröffnen ihren Besuchern interessante Einblicke in biologische und ökologische Zusammenhänge. Auch die im Freiland hochbedrohten Philippinenkrokodile werden in europäischen Zoos nachgezüchtet. Das Zuchtbuch dafür wird im Zoologischen Garten Köln geführt. Die Philippinenkrokodile aus europäischen Zoos sind für die Population auf den Philippinen extrem wichtig, denn die europäischen Tiere wurden im Gegensatz zu vielen Krokodilen auf philippinischen Krokodilfarmen nicht mit anderen Krokodilarten gekreuzt und sind daher besonders für die Auswilderung geeignet.

Der im Zoo Krefeld gehaltene Keilkopf-Glattstirnkaiman wird aufgrund seines großen Verbreitungsgebietes im Amazonasbecken von der IUCN als noch nicht gefährdet gesehen. Allerdings   schrumpft sein Lebensraum vor allem aufgrund von Unterbrechungen zahlreicher Flüsse durch Straßen- und Dammbauten. Auch die mit dem Goldabbau in Venezuela, Brasilien, Bolivien und Peru verbundene Umweltverschmutzung wirkt sich zunehmend negativ auf die Flussökosysteme mit ihre Fisch- und Krokodilfauna aus, so dass die Bestände drastisch abnehmen. So kann es sein, dass in naher Zukunft auch diese Art im Freiland vor dem Aussterben steht. Umso erfreulicher ist es, die 16 kleinen Kaimane im Zoo Krefeld heranwachsen zu sehen!