Der nächste Schritt für das ArtenschutzZentrum AffenPark im Zoo Krefeld ist geschafft: Die Baugenehmigung für Bauabschnitt 2 – den Bereich für Orang-Utans – liegt vor. Der Baustart kann in Kürze erfolgen. Auf einer Fläche von rund 2.000 Quadratmetern entsteht ein Warmhaus mit vier Innenanlagen sowie vier großzügigen, übernetzten Außenanlagen. Neben Orang-Utans wird eine weitere kleinere Affenart aus demselben südostasiatischen Lebensraum einziehen. Die Bauzeit ist auf etwa zwei Jahre veranschlagt. Die Gesamtkosten in Höhe von rund 14,1 Millionen Euro werden maßgeblich von den Gesellschaftern der Zoo Krefeld gGmbH, Stadt Krefeld und Zoofreunde Krefeld e.V., getragen.
Planungs- und Baudezernent Marcus Beyer unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die Stadt: "Es ist eine richtig gute Nachricht für Krefeld, dass es im Zoo so konzentriert vorangeht mit dem neuen Artenschutzzentrum Affenpark. Hier entsteht ein echtes Highlight für die ganze Region. Der Zoo und die Stadt Krefeld arbeiten bei dem Projekt auf allen Ebenen gut zusammen. Mit der Erteilung der Baugenehmigung kann der Zoo nun den nächsten Schritt des Großprojekts in Angriff nehmen."
Yvonne Brandt, 1. Vorsitzende der Zoofreunde Krefeld e.V., ergänzt: „Wir Zoofreunde Krefeld freuen uns sehr über die Baugenehmigung für den 2. Bauabschnitt des Artenschutzzentrums AffenPark für Orang Utans und danken allen für die tolle Unterstützung“. Mit 3,2 Millionen Euro konnte allein der Förderverein des Zoos den Bau des Menschenaffenwaldes bislang finanziell unterstützen. Seit seiner Eröffnung im vergangenen Oktober werben und sammeln die Zoofreunde unermüdlich schon für das neue Orang-Utan-Zuhause. So bei wie bei ihren mehrtägigen Info-Ständen bei „Herbstzauber“ auf der Rennbahn, „Fischeln Open“ und dem „Besonderen Weihnachtsmarkt“. Erstmals verkauften die Zoofreunde bei ihrer Zoolotterie im vergangenen Advent das 100.000 Los.
„Die weitestgehend ehrenamtliche Arbeit der Zoofreunde zum Wohle der Tiere im Zoo kommt in der Stadtgesellschaft gut an. Wir konnten im vergangenen Jahr 190 neue Mitglieder begrüßen“, sagt Yvonne Brandt erfreut. Mit nunmehr über 6300 Mitgliedern zählen die Zoofreunde mit zu den größten Vereinen Krefelds.
Ein Lebensraum in luftiger Höhe: Architektur für Orang-Utans verspricht besondere Begegnungen für Besucher
Als typische Baumbewohner verbringen Orang-Utans den größten Teil ihres Lebens in den Kronen tropischer Regenwälder, entsprechend liegt die Höhe in den Innenanlagen bei bis zu zwölf Metern und erstreckt sich über mehrere Galerieebenen. In den Außenanlagen werden sogar bis zu 15 Meter Höhe realisiert. Sichere Edelstahlnetze ermöglichen es den Tieren, das gesamte Raumvolumen auszunutzen. Bäume, Kletterstrukturen, Plattformen, Felsen, ein Wasserlauf sowie unterschiedliche Bodensubstrate wie Wiese, Sand und Mulch schaffen eine abwechslungsreiche Umgebung mit vielfältigen natürlichen Reizen.
Hinter den Kulissen schließen sich Schlaf- und Trainingsräume an. Eine sogenannte Solebox bietet den Tieren die Möglichkeit zur Inhalation. Jedes Individuum erhält eigene Rückzugsbereiche, zugleich ist eine flexible Gruppenhaltung möglich. Auch eine Vergesellschaftung mit einer kleineren Affenart ist vorgesehen, wobei die räumliche Struktur jederzeit eine getrennte Haltung erlaubt.
Zoodirektorin Dr. Stefanie Markowski betont die intensive fachliche Vorbereitung: „Um allen Bedürfnissen gerecht zu werden, wurden von Beginn an auch europäische Experten und Forschende sowie die beiden zukünftigen Tierpflegerinnen unserer Orang Utans in die Planung dieser neuen Anlage für Menschenaffen eingebunden. Wir freuen uns, dass unsere Ideen bald räumlich sichtbar werden und wir unseren Tieren einen Aufenthalt in zwölf Metern Höhe bieten können. Es ist notwendig, auch außerhalb des natürlichen Lebensraums die Population dieser faszinierenden Menschenaffen weiter aufzubauen und weitere Erkenntnisse zum Schutz dieser hoch bedrohten Tierart zu gewinnen.“
Auch für die Besucherinnen und Besucher eröffnet der Neubau neue Perspektiven. Über großzügige Panoramascheiben sind Einblicke in die Außenanlagen möglich. Der Besucherbereich erstreckt sich über mehrere Ebenen und erlaubt Begegnungen auf Augenhöhe mit den baumbewohnenden Menschenaffen. Eine Terrasse bietet zusätzliche Einblicke in Innen- und Außenbereiche. Große Oberlichter sorgen für Tageslicht in den Innenanlagen. Die Dachflächen werden extensiv begrünt oder für Photovoltaik genutzt.
Wie auch beim MenschenaffenWald sind Gehege, Inneneinrichtung und Netzanlagen so konzipiert, dass sie für Orang Utans, aber auch für allen anderen Menschenaffen nutzbar und sicher sind. Gestalterisch lehnt sich der Neubau an den MenschenaffenWald an.
Der Neubau entsteht auf einem Erweiterungsgelände in unmittelbarer Nähe zum Grotenburgstadion. Dadurch werden die Bauarbeiten kaum Auswirkungen auf den laufenden Zoobetrieb haben.
Verantwortung für eine hochbedrohte Art: Schutz für Orang-Utans in Krefeld
Orang-Utans gehören zu den am stärksten bedrohten Menschenaffen weltweit. Ihre natürlichen Lebensräume auf Sumatra und Borneo schrumpfen durch Abholzung, Klimaveränderungen und Landnutzungsdruck dramatisch. Beide Arten gelten laut Weltnaturschutzunion IUCN als „kritisch bedroht“. Moderne wissenschaftlich geführte Zoos übernehmen daher Verantwortung im Ex-situ-Artenschutz, um stabile Populationen aufzubauen und gleichzeitig Schutzprojekte in den Herkunftsländern zu unterstützen. Welche Orang-Utan-Art künftig in Krefeld leben wird, entscheidet das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) des Europäischen Zoo- und Aquarienverbandes EAZA entsprechend des Bedarfs.
Mit Bauabschnitt 2 führt der Zoo Krefeld seine mit dem MenschenaffenWald begonnene Arbeit für den Schutz von Menschenaffen fort. Verantwortungsvolle Tierhaltung, Bildungsarbeit, Forschungsprojekte und Artenschutz sind die Säulen des Projektes ArtenschutzZentrum AffenPark.
Alle weiteren Infos zum Bauabschnitt 2 finden sie hier.


