Wenn Schläuche zu Wurzeln werden

Kunstfelsbauer Andreas Gehlen mit seinen wichtigsten Arbeitsmaterialien für den Feinschliff

Kunstfelsbau im Regenwaldhaus des Zoo Krefeld

Was auf den ersten Blick wie gewachsene Wurzeln, verwitterte Steine und tropische Strukturen aussieht, beginnt mit einfachen Materialien: Flexischläuchen, Drahtgewebe, Kabelbindern, Mörtel, Pinseln und Bürsten. Im Regenwaldhaus des Zoo Krefeld gestaltete Kunstfelsbauer Andreas Gehlen von der Firma „sculptorscoop“  kürzlich die Außenseite eines neuen Großterrariums für Baumsteigerfrösche, Schlangen und Echsen. Es ist die erste Zusammenarbeit des Zoos mit den erfahrenen Spezialisten für figürlichen Mörtel- und Felsbau. Finanziert wird das neue Terrarium samt Gestaltung durch Spenden der Zoofreunde Krefeld e.V.

„Gute Gestaltung verbindet im Zoo Tierhaltung, Bildung und Atmosphäre“, sagt Xenia Schirrmeister, Kuratorin des Zoo Krefeld. „Bei einem Terrarium geht es nicht nur darum, Tiere zu zeigen. Wir möchten ihren Lebensraum begreifbar machen. Besucherinnen und Besuchern sollen erkennen, warum Ökosysteme so vielfältig und zugleich schützenswert sind.“

Andreas Gehlen kommt ursprünglich aus der Fassadenrestaurierung, studierte Malerei und ist seit rund 20 Jahren mit eigener Firma im Kunstfelsbau tätig. Gearbeitet hat er bereits in zahlreichen Zoos. Bevor eine künstliche Fels- oder Wurzelstruktur entsteht, setzt er sich intensiv mit dem jeweiligen Ökosystem auseinander. Fotos von geologischen Formen, Pflanzenstrukturen und Modelle dienen als Grundlage, um ein Habitat glaubwürdig nachzuempfinden.

Für Gehlen liegt darin der besondere Reiz seiner Arbeit. „Die Illusion funktioniert nur, wenn man die Natur vorher sehr genau betrachtet“, sagt er. „Es geht nicht darum, etwas schön zu verkleiden. Es geht darum, Strukturen zu verstehen: Wie wächst eine Wurzel, wie bricht ein Stein, wo sammelt sich Feuchtigkeit? Erst dann entsteht ein realitätsnaher Lebensraum.“

In mehreren Arbeitsschritten wird eine Mischung aus Zementmörtel, Aluminium und Vulkanasche aufgespritzt und anschließend modelliert. Mit Kelle, Pinsel und Bürste entstehen dann Rindenstrukturen, feine Risse, Kanten und Vertiefungen, die wie natürlich gewachsen wirken. So kann ein ummantelter Flexischlauch zu Wurzel oder Ast werden, eine harte Mörtelfläche zur scheinbar verwitterten Tropenlandschaft.

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